Nina's PPCM - Ein Interview

Ihr Lieben,

wir berichten über Kosmetik, Rezepte & Erfahrungen. Was wir erleben, was uns aufregt und was uns berührt - Eben über Gott und die Welt.

Meistens sind es schöne Sachen über die wir Schreiben, denn auch wenn es manchmal hier und da ein wenig drückt oder ein Tag nicht so verläuft, wie wir es gerne hätten, kann jeder von uns am Abend sagen "Es geht mir gut!".

Und dafür sollten wir dankbarer sein, als wir es oft sind. Denn manchmal kommt alles ganz anders und ein Tag kann ein Leben für immer verändern...




In diesem Zusammenhang möchte ich euch heute Nina Funk und ihre Homepage www.ppcm.me  vorstellen. Nina erlitt am 15. Mai 2011 während der Geburt ihres Sohnes Noah eine PPCM und fiel ins Koma. Drei Wochen verbrachte sie im Koma und wachte mit einem Kunstherz auf.

Foto: HNA/Schankweiler-Ziermann aus dem Bericht der HNA vom 07.06.2014

PPCM - Was ist das eigentlich? Eine Peripartum Kardiomyopathie (PPCM), wird auch Schwangerschaftskardiomyopathie genannt und ist eine seltene Herzerkrankung, die während der Schwangerschaft zu einer schweren Herzschwäche oder zu vollständigem Herzversagen führen kann.

Nina Funk entschied sich nach Ihrer Genesung viele Menschen auf diese Erkrankung aufmerksam zu machen, da die Anzeichen nur schwer von anderen "Schwangerschaftsleiden" zu unterscheiden sind. Also rief sie ihre Homepage PPCM.me ins Leben. Auf dieser Homepage findet Ihr Details über ihre Situation, die Symptome und ihre ausführliche Geschichte.

Als ich über einen Facebook-Eintrag auf ihre Geschichte aufmerksam wurde und mir diese Homepage ansah, war mir sofort klar, dass ich gerne einen Bericht darüber schreiben möchte. Also schrieb ich ihr eine E-Mail und nach ein paar Schriftwechseln hatten wir einen Termin für ein Interview gefunden. Da Nina nur knappe 5 Kilometer von mir entfernt wohnt, hatte ich bald mein erstes Interview für unseren Blog.

Ich war total aufgeregt - erstens, weil ich noch nie ein "richtiges Interview" geführt habe und zweitens, weil ich echt Angst hatte, dass Nina meine Fragen blöd findet.

Wenn man Nina Funk sieht, dann sieht sie aus wie eine ganz normale junge Mutter, nur die Tasche, die sie immer mit sich tragen muss, lässt vermuten, dass da noch mehr ist. Ich traf eine junge Frau, die trotz Kunstherz fest im Leben steht und mit ihrer Familie das Leben meistert. Einige Eindrücke kann ich Euch heute vielleicht durch das Interview vermitteln...

NJ: Wie geht es Dir heute?
Nina Funk: Heute bin ich zufrieden, obwohl die Situation nicht immer einfach ist.

NJ: Gibt es bei Dir einen "normalen" Tagesablauf? Und wie spontan kannst du sein?
Nina Funk: Ich versuche meinem Kind mittlerweile weitestgehend einen normalen Tagesablauf zu gestalten. Noah geht in den Kindergarten. Ich muss regelmäßig meine Tabletten nehmen (ca. 11 Stück pro Tag) und kann damit auch mal spontan sein. Dabei darf ich nie vergessen, dass meine Akkus immer aufgeladen sein müssen und ich niemals ohne Ersatzakkus aus dem Haus gehen darf.. Ich kann auch nur so lange aus dem Haus, wie meine Akkus ausreichen, die ich dabei habe. Zu den Akkus in meiner Gürteltasche am Controller habe ich dann nochmal 3 Kilo Akkus in meiner Handtasche.

NJ: Musst Du dich besonders gegen Umwelteinflüsse oder Keime schützen?
Nina Funk: Ich muss zwar keinen Mundschutz tragen, aber jede Grippewelle im Kindergarten sollte ich umgehen und Kinderkrankheiten sind für mich definitiv gefährlicher als für unser Kind.

NJ: Kannst Du in den Urlaub fahren und wie nimmt das Krankenhaus mit dir Kontakt auf, falls ein Spenderherz für Dich infrage kommt?
Nina Funk:Theoretisch darf ich in den Urlaub fahren. Muss oder sollte mir aber immer eine Klinik in der Nähe suchen, die sich mit dem Kunstherz auskennt.

NJ: Gibt es Momente, in denen Du dein Kunstherz vergisst?
Nina Funk: Komischerweise JA! Es ist normal für mich geworden. Ich bin natürlich schon manchmal traurig, wenn ich mit dem Kleinen nicht ins Schwimmbad gehen kann.

NJ: Wie gehen Deine Familie / Deine Freunde damit um?
Nina Funk: Die Familie ist besorgter als ich...

NJ: Gibt es bei Dir noch Mädelsabende und wenn ja, wie sehen die aus?
Nina Funk: Ja, wobei das mittlerweile eher "Muttitreffen" geworden sind. Aber wir treffen uns regelmäßig zum Essen. Konzerte kann ich leider nicht mehr besuchen, weil ich dort immer Angst habe, dass ich den Akku nicht höre oder ich nehme eine Schonhaltung ein, damit niemand an die Kabel kommt - dann kann ich das nicht richtig genießen.

NJ: Was denkst Du, wenn deine Freundinnen Dir von ihren "großen Sorgen" erzählen, die eigentlich nur Alltagsprobleme sind?
Nina Funk: Viele Freunde filtern ihre Sorgen. Was mich auch nicht immer glücklich macht, weil ich auch noch wissen will, wie es ihnen selber geht. Meine Erkrankung stellt vieles einfach in den Schatten.

NJ: Bist Du sauer auf die Ärzte / Kliniken, die im Zusammenhang mit den Spenderskandalen stehen, weil dadurch die Spendenbereitschaft zurückgegangen ist?
Nina Funk: Ja! Auf jeden Fall!

NJ: Was würdest Du als erstes tun, wenn du ein neues Herz hast und wieder fit bist?
Nina Funk: Normal duschen! Das ist derzeit alles sehr umständlich und eingeschränkt möglich!!!

NJ: Weißt Du, an welcher Stelle du auf der Spenderliste stehst?
Nina Funk: Ich stehe auf der T-Liste mit ganz vielen anderen Kranken. Es dauert sehr lange. Aufgrund der wenigen Organspenden ist es teilweise auf der T-Liste unmöglich ein Herz zu bekommen und man muss als Hochdringlich (High Urgency) gelistet werden. Der Weg dahin ist nicht einfach...

NJ: Was empfindest Du beim Gedanken an ein Spenderherz?
Nina Funk: Ich sehe es als großes Geschenk an, ein Spenderherz zu bekommen und würde gerne wissen wollen, vom wem das Herz ist, was aber absolut ausgeschlossen ist...

NJ: Hast Du viele Nebenwirkungen von den Medikamenten die du nimmst?
Nina Funk: Es geht. Manchmal bekomme ich Schwierigkeiten mit dem Kreislauf und meine Nieren werden durch die Medikamente stark belastet.

NJ: Liest Du noch Beipackzettel?
Nina Funk: (lacht..) Nein - gar nicht! Aber das ändert auch nichts an der Einnahme.

NJ: Wie oft musst Du zur Kontrolle?
Nina Funk: Ich muss monatlich zum Hausarzt, wo die Werte dann an das Herzzentrum geschickt werden. Dorthin muss ich alle drei Monate zur Kontrolle.

NJ: Was hat sich am meisten in Deinem Leben verändert?
Nina Funk: Ich bin nicht mehr so unbeschwert und frei wie früher. Jeder Ausflug mit der Familie ist mit zusätzlichem Aufwand verbunden (Akkus usw.). Ich mache definitiv weniger Pläne, da ich einfach nicht weiß, was morgen ist...

NJ: Was wünscht Du dir für deine Zukunft / die Zukunft deiner Familie?
Nina Funk: Ich wünsche mir natürlich ein Spenderherz und damit mindestens 20 weitere Jahre gut zu leben. Ich wünsche mir unseren Sohn aufwachsen zu sehen.

Das Gespräch verlief sehr offen und ich war überrascht, wie "normal" Nina mit der Situation umgeht. Mir gegenüber saß eine aufgeschlossene junge Mutter, die noch viel vor hat und sich hoffentlich nicht unterkriegen lässt.

Schaut Euch unbedingt ihre Homepage PPCM.me  an und sprecht in eurem Bekannten- & Freundeskreis darüber. Je mehr Menschen darauf Aufmerksam gemacht werden, desto mehr können vielleicht gerettet werden.


Foto: Nina Funk - Privat

"Es kann jeden Treffen und viele machen sich erst Gedanken darüber, wenn sie selbst betroffen sind." 

Dieser Satz von Nina hat mich nachdenklich gemacht, denn auch mein Organspendeausweis lag bis jetzt unausgefüllt auf meinem Schreibtisch, weil ich es immer wieder aufgeschoben habe.

Jeder kann einen kleinen Beitrag leisten. Wie oft stand man schon kurz davor, einen Organspendeausweis auszufüllen oder zum Blutspenden zu gehen - und hat es dann nicht getan? Auch eine Registrierung bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) geht schnell, tut nicht weh und kann ein Menschenleben retten.

Ich danke Nina Funk ganz herzlich, dass sie sich Zeit genommen hat, um mit mir über ihre Situation zu sprechen und mir einen kleinen Einblick in ihr Leben mit dem Kunstherz gegeben hat. Ich wünsche Nina alles Gute und drücke ihr ganz fest die Daumen, dass es ihr noch ganz lange gut geht und sie sobald wie möglich ein Spenderherz bekommt.

Und Ihr... Redet darüber! Besucht Ihre Homepage und helft mit!... Es gibt so viele Möglichkeiten...












PS: Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr diesen Artikel auch auf den sozialen Netzwerken teilt.

Kommentare :

  1. Ein ganz toller Post!
    Ich selbst habe schon seit bestimmt 10 Jahren einen Organspendeausweis und finde das super wichtig! Auch die Leute, die keine Organe spenden wollen, sollten einen haben, denn da kann man regeln ob man spendet, was man spendet oder ob man es eben nicht möchte! Viele Grüße
    Jenny

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  2. Eine fabelhafte Idee dazu ein Interview zu machen!!!

    LG aus der EDELFABRIK
    Chrissie

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    1. Das fand ich auch - Man muss die Menschen auf solche Sachen aufmerksam machen...

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  3. Danke für das Interview und die Aufklärung. Man ve gießt oft, wie gut es einem eigentlich geht und wir dankbar sein können. In der tat wollt ich schon immer mal einen Blutspende-Ausweis machen. Ich sollte es endlich mal anpacken.
    Nina Funke ist eine bemerkenswert starke Frau und ich wünsche ihr alles Gute.
    LG Cla

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  4. Tolles Interview. Vielen Dank. Und ja. Ich war auch schon ewig nicht mehr beim Blutspenden. Auch ich wünsche Nina Funke von Herzen alles Gute und drücke Ihr die Daumen für ein Spenderherz
    LG Sunny

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  5. Hallo Nina,
    ich kannte diese Erkrankung bislang noch nicht und bin Dir, aber und vor allem Nina Funk, sehr dankbar für dieses Interview!
    @ Nina Funk: Ich wünsche Dir und deiner Familie eine besinnliche Weihnachtszeit und vor allem ein GESUNDES neues Jahr!
    Lieben Gruß
    Janine

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  6. Das geht wirklich unter die Haut. Mir geht es wohl wie den Meisten: Die Krankheit war mir bisher unbekannt. Toller Beitrag und alles Gute für Nina Funk.

    LG Sabine

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