Metal-Konzert 2.0

Wie ein paar von euch ja wissen, mag ich am allerliebsten rockige Musik und dann darf es auch mal richtig knallen. Daher bin ich natürlich auch für kleine und große Metal-Konzerte gern zu haben.

Im Sommer waren wir bei Iron Maiden, einem wahren Urgestein der Hard-Rock und Heavy-Metal-Szene, auf einem riesigen Open-Air mit zahllosen Rockern. Wir durften ein Konzert mit den "typischen" Metal-Fans miterleben. Lange Haare, ausgefranste Jeanswesten - voll mit Aufnähern, Bier und allem was man eben auf so einem Konzert erwartet.

Am letzten Wochenende habe ich allerdings eine andere Art von Metal-Konzert kennengelernt. Ich würde es "Metal-Konzert 2.0" nennen. Wir waren in Frankfurt auf einem Konzert meiner liebsten Metal-Band Five Finger Death Punch. Diese haben zusammen mit Avenged Sevenfold und Avatar alles für einen kräftigen Tinnitus getan. Das Publikum hätte unterschiedlicher nicht sein können. Neben den gewohnten "Metallern", ein paar Punkern, waren ziemlich durchgestylte Jungs und Mädels zu sehen. Wobei letzt genannte sich so dermaßen auf ihr Styling konzentrierten, dass sie wahrscheinlich mehr Zeit auf der Toilette mit ihrem Make-up verbracht haben, als vor der Bühne.

Zu dem gab es eine Tribüne mit Sitzplätzen, was für uns natürlich sehr verlockend war - wenn auch völlig "untrue" - aber egal, das war es uns wert. Wir saßen also bei einem Metal-Konzert ganz brav, wie im Musical weit über dem jungen, durchgestylten Völkchen. Hätten uns auch Prosecco und Popcorn holen können, aber irgendwo muss man ja auch noch ein bisschen Metal wahren!
Also haben wir uns für Bier und Äppler entschieden.

Gut, das macht wahrscheinlich noch kein 2.0 aus...

Die erste Band war ziemlich unbekannt und so hielt sich die Begeisterung beim ganzen Publikum in Grenzen. Viele Jungs standen bei den Getränkeständen oder beim Merchandise, die Mädels waren wahrscheinlich dabei ihr Make-up zur optimieren.


Dann ging es endlich richtig los! Nun konnten wir dann aber ein Phänomen sehen, welches mich endgültig zu dem Schluss "2.0" brachte. Das junge, stylische Publikum war so sehr mit filmen und fotografieren beschäftigt, dass sie das halbe Konzert damit verbracht haben ihre Smartphones weit in die Höhe zu halten und natürlich auch auf ihre "tanzwilligen" Nachbarn achten mussten, denn schnell kann ja bei so einem Gerangel das Handy zu Boden gehen.

Bei Rockballaden wurden dann auch noch das Kameralicht anstelle des altbewährten Feuerzeugs durch die Luft geschwungen.


Lange war ich mir nicht sicher ob es jetzt verwerflicher war Sitzplätze auf einem Metal-Konzert zu haben oder mit dem Handy für die indirekte Beleuchtung in der Konzerthalle zu sorgen - ich denke es hält sich die Waage... und ehrlich gesagt habe ich ja auch ein paar Bilder geschossen - aber nur ganz wenige...

Was waren das noch für Zeiten, als keiner von uns auf die Idee kam seinen Fotoapparat mit auf ein Konzert zu schleppen, da die Security höchstwahrscheinlich sowieso den Film oder die Batterien entsorgt hätte. Wir waren nur für die Band und die Musik da. Es gab Bier, Wasser und Cola. Wir haben unsere Freunde zufällig getroffen und haben nicht unentwegt über Whatsapp oder Facebook die ganze Welt über jeden Schritt und jedes Lied informiert. Sicherlich ist es auch schön, wenn man seine Freunde an so einem tollen Ereignis teilhaben lassen kann, aber ich glaube nicht, dass man es dann so genießen kann.

Aber wir können es ja nicht ändern und es muss ja jeder selbst wissen ob er wegen der Band auf ein Konzert geht und richtig abfeiert oder seine Zeit mit dem Smartphone verplempert. Also gewöhne ich mich lieber an diese "Mulit-Tasking"-Veranstaltungen mit Popcon, Prosecco und indirekter Handybeleuchtung und schaue mir das nächste Konzert wieder in aller Ruhe von meinem Tribünenplatz an, während ich mit meinem altbewährten Bierchen auf die coole Show anstoße.

XOXO
Kerstin

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